weltweite Finanzkrise - Kennen Sie die wichtigsten Begriffe?
Tagtäglich lesen und hören wir in den Medien Informationen zur weltweiten Finanzkrise, und das nun schon seit gut einem Jahr. In den verschiedenen Berichterstattungen fallen immer wieder ganz bestimmte Begriffe, die jedoch nicht im Einzelnen erklärt werden. Vielleicht geht es Ihnen auch so, Sie haben diese Begriffe alle schon einmal gehört, wissen allerdings nicht, welche Bedeutung sie haben.
Ich habe Ihnen hier mal die wichtigsten Begriffe rund um die Finanzkrise zusammen getragen und einfach und leicht verständlich erklärt.
Subprime-Krise
Der Begriff Subprime-Krise etablierte sich mit Beginn der US-Immobilienkrise im Frühsommer 2007. Subprime heißt soviel wie zweitklassig und steht für Immobilienkredite in den USA, die vorwiegend an Kreditnehmer mit geringer Bonität vergeben wurden.
Im Gegensatz zu Deutschland, wo jeder Häuslebauer entsprechende Sicherheiten für einen Baukredit hinterlegen muss, haben in den USA selbst die Menschen einen Kredit für einen Hausbau oder -kauf erhalten, die weder ein entsprechendes Einkommen noch irgendwelche Sicherheiten vorweisen konnten. Gerade in den Boomzeiten des US-Immobilienmarktes hat im Prinzip jeder einen Kredit bekommen, der sich ein Haus bauen oder kaufen wollte. Die Kreditzinsen waren äußerst niedrig und damit auch die Kreditraten. Anders als in Deutschland werden die Kreditzinsen in den USA jedoch nicht für eine bestimmte Laufzeit festgeschrieben, sondern können von den Kreditinstituten variabel angepasst werden. Als die Zinsen dann stiegen, erhöhten sich auch die Kreditraten. Das hatte zur Folge, dass gerade diejenigen, die wenig Geld verdienen, die steigenden Kreditraten nicht mehr zahlen konnten.
Gleichzeitig sind die jahrelang gestiegenen Immobilienpreise in den USA stagniert, teilweise sogar gefallen. Wer sein Haus verkaufen wollte, weil er es nicht mehr halten kann, konnte dies nur zu einem wesentlich niedrigeren Preis, vorausgesetzt, er hat überhaupt einen Käufer gefunden. Damit blieb er auf erheblichen Schulden sitzen.
Die Banken, die diese Immobilienfinanzierungen einst durchgeführt hatten, haben die Risiken dieser Kredite in Form von Wertpapieren an andere Finanzinstitute weitergegeben und das weltweit. Von so genannten Rating-Agenturen wurden diese Risiken zunächst eher gering eingeschätzt. Mit Beginn der Immobilienkrise wurden diese Wertpapiere jedoch zunehmend schlechter bewertet, aufgrund des steigenden Zahlungsausfallrisikos der Kreditnehmer. Bei den Banken, die diese Wertpapiere besaßen, führte das zu entsprechenden Verlusten in der Bilanz.
Einlagensicherung
Die Einlagensicherung schützt Sparguthaben der Bürger bis zu einer bestimmten Höhe, für den Fall, das eine Bank zahlungsunfähig wird. In Deutschland gibt es eine gesetzliche Einlagensicherung, die die Sparguthaben zu 90 Prozent (bis max. 20.000 Eoro) absichert. Zusätzlich haben sich die deutschen Banken in verschiedenen Sicherungseinrichtungen zusammengeschlossen, die die Kundengelder im Fall einer Bankinsolvenz nahezu hundertprozentig absichern.
Staatsgarantie
Mit der Staatsgarantie bürgt zusätzlich der deutsche Staat für sämtliche Spar- und Sichteinlagen, damit sind alle Girokonten, alle Sparkonten und Sparbriefe sowie alle Tagegeldkonten gemeint.
Liquiditätsengpass
Von einem Liquiditätsengpass spricht man allgemein, wenn die finanziellen Mittel nicht ausreichen, um alle Zahlungsverpflichtungen fristgerecht zu erfüllen. Auch bei Banken ist es im Zuge der Finanzkrise teilweise zu Liqiditätsengpässen gekommen. Um sie vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit zu schützen, werden Milliarden in den so genannten Geldmarkt gepumt.
Kreditklemme
Aufgrund von fehlendem Vertrauen, bedingt durch die weltweite Finanzkrise, leihen sich die Banken untereinander kaum noch Geld. Geld, was sie jedoch dringend benötigen, um neue Kredite an ihre Kunden auszugeben. Diese sogenannte Kreditklemme führt dazu, dass immer weniger Kredite an die Wirtschaft ausgegeben werden können.
Refinanzierung
Refinanzierung bedeutet im weitesten Sinne eine Gegenfinanzierung. Damit Banken Kredite vergeben oder Sparguthaben auszahlen können, brauchen sie tagtäglich frisches Geld. Dieses holen sie sich entweder von den staatlichen Notenbanken, sammeln es bei ihren Kunden in Form von Sparguthaben ein oder sie leihen es sich untereinander. Wenn eine Bank also mehr Sparguthaben eingenommen hat, als sie für die Kreditvergabe und Auszahlung von Sparguthaben benötigt, kann sie das überschüssige Geld bei der Notenbank kurzfristig anlegen oder leiht es einem anderen Kreditinstitut. Damit finanzieren Banken ihr tägliches Geschäft.
Verstaatlichung
Bei der Verstaatlichung geht es darum, Eigentum wie auch Entscheidungsgewalten zum Teil oder auch ganz auf den Staat zu übertragen. Im Zuge der Finanzmarktkrise wurden beispielsweise private isländische Banken in staatlichen Besitz übernommen (verstaatlicht), um sie vor dem Konkurs zu retten.
Risikoabschirmung
Wenn Banken gegen Risiken aus bestimmten Wertpapieren abgeschirmt werden, spricht man von einer Risikoabschirmung. Das heißt, der Staat hilft gemeinsam mit anderen Instituten, betroffene Banken von ihren Lasten zu befreien.
Moratorium
Unter Moratorium versteht man allgemein die Übereinkunft, etwas aufzuschieben oder es vorläufig für eine bestimmte Zeit zu unterlassen. Im Zusammenhang mit der Finanzkrise bedeutet das, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den Geschäftsbetrieb einer in Zahlungsschwierigkeiten gelangten Bank für eine bestimmte Zeit einfriert. Während dieser Zeit darf die Bank keinem Kunden mehr Geld auszahlen.
Anfang Oktober hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Moratorium gegen die deutsche Niederlassung der isländischen Kaupthing-Bank erlassen, weil die Gefahr bestand, dass die deutsche Niederlassung ihre Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden (Gläubigern) nicht mehr erfüllen kann. Das bedeutet, Kunden die dort ihr Geld angelegt haben, kommen ertsmal nicht an ihr Geld. Die Bank darf keine Zahlungen mehr leisten. Auch darf sie keine Zahlungen mehr entgegennehmen, die nicht ausschließlich zur Tilgung von Schulden gegenüber der BaFin bestimmt sind. Damit sollen die verbliebenen Vermögenswerte der Niederlassung gesichert werden.
Realwirtschaft
Unter Realwirtschaft versteht man das produzierende Gewerbe wie auch das Dienstleistungsgewerbe. Die Finanzkrise wirkt sich mehr und mehr auch in der Realwirtschaft aus, da sich die Banken untereinander kaum noch Geld leihen. Damit fehlen ihnen die nötigen Mittel, um der Wirtschaft neue Kredite zur Verfügung zu stellen. Doch Unternehmen brauchen Kredite, um neue Produkte herzustellen.















