Was versteht man eigentlich unter Leerverkäufen?

 

Im Zusammenhang mit der weltweiten Finanzkrise hat auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) so genannte Leerverkäufe vorübergehend untersagt, nachdem bereits die Finanzaufsicht in Amerika und Großbritannien ein solches Verbot ausgesprochen hatte.
Mit Wirkung vom 20. September 2008 bis einschließlich 31. Dezember 2008 dürfen hauptsächlich Leerverkäufe von Aktien aus dem Finanzbereich nicht mehr durchgeführt werden. Dieses Verbot wird von der BaFin ständig überprüft und soll vor allem Unternehmen aus der stark gebeutelten Finanzbranche vor dem Untergang bewahren.

Was sind eigentlich Leerverkäufe und wie funktionieren sie?

Wenn Sie als Privatanleger in eine Aktie investieren, dann kaufen Sie diese Aktie zu einem bestimmten Preis und verkaufen sie dann im Idealfall, wenn der Kurs der Aktie gestiegen ist, zu einem höheren Preis. Die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis ist Ihr Gewinn, abzüglich Gebühren für die Transaktionen. In jedem Fall besitzen Sie die entsprechende Aktie, bevor Sie diese wieder verkaufen.

Leerverkäufe sind ganz einfach Wetten auf fallende Kurse. Sie werden in der Regel ausschließlich von Großinvestoren durchgeführt, die Aktien verkaufen, die Sie gar nicht besitzen. Der Großinvestor leiht sich die Aktien von einem Aktieninhaber und bezahlt diesem für das Verleihen eine Gebühr. Die Aktie selbst ist nicht in seinem Besitz.
Nun verkauft der Leerverkäufer die geliehenen Aktien und wettet auf einen fallenden Aktienkurs dieses Unternehmens. Fällt der Aktienkurs dann wie erwartet, kann er daraufhin die Aktien später zu einem weit niedrigeren Kaufpreis erwerben und diese dann an den Verleiher zurückgeben. Damit hat er einen so genannten Spekulationsgewinn gemacht. Dieser besteht aus der Differenz zwischen dem Verkaufskurs für die geliehenen Aktien und dem späteren niedrigeren Einkaufspreis für die Aktien, die er an den Verleiher zurückgeben muss. Dieser Gewinn vermindert sich noch um die Ausleihgebühr, die er dem Aktieninhaber zahlen musste.
Geht die Wette auf, hat der Leerverkäufer ein gutes Geschäft gemacht.

Allerdings macht die Börse längst nicht immer das, was man erwartet. Geht die Wette nämlich nicht auf, sprich, der Aktienkurs fällt nicht wie erwartet, sondern steigt, dann hat der Leerverkäufer ein Problem. Er muss die geliehenen, inzwischen verkauften Aktien nun teurer einkaufen, um sie dem Verleiher zurückgeben zu können. Wenn der Einkaufspreis höher ist als der Verkaufspreis zuvor, dann wird das für den Investor zum Verlustgeschäft.

Extreme Kursschwankungen

Vielleicht haben Sie sich in den letzten Wochen und Monaten auch schon einmal gefragt, warum der Kurs einer Aktie manchmal extrem ansteigt oder auch abfällt. Solche extremen Kursschwankungen entstehen beispielsweise durch Leerverkäufe.
Hier spielt die Berichterstattung in den Medien (Presse, Rundfunk und Fernsehen) eine entscheidende Rolle.

Meist kommt es zu vermehrten Leerverkäufen, wenn negative Nachrichten zu bestimmten Unternehmen über die Medien verbreitet werden. Dann spekulieren die Leerverkäufer auf fallende Kurse. Der vermehrte Verkauf der Aktien durch die Leerverkäufer führt zu einer sinkenden Nachfrage und damit zu stark sinkenden Kursen der Unternehmen, wie beispielsweise in den letzten Wochen bei vielen Finanztiteln.

Umgekehrt können positive Nachrichten über bestimmte Unternehmen oder Ereignisse zu einer extremen Kurssteigerung führen, denn in dem Fall müssen die Leerverkäufer, die zuvor geliehene Aktien verkauft haben, diese wieder schnell  nachkaufen, wenn möglich, bevor der Kurs steigt, damit sie keinen Verlust machen oder diesen so gut es geht begrenzen. Aufgrund der dann extremen Nachfrage in großem Stil steigt auch der Kurs der Aktie extrem.

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